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DynaNet: Wie lokale, dynamische Netzentgelte Netzengpässe verhindern könnten

Geschrieben von Dr.-Ing. Philipp Erlinghagen | 09.09.2026, 10:06:47

Das Forschungsprojekt DynaNet untersucht einen marktbasierten Weg, um Engpässe in Niederspannungsnetzen präventiv zu vermeiden: über lokale, dynamische Netzentgelte, die sich an der aktuellen Auslastung des Niederspannungsverteilnetzes orientieren.

envelio begleitet das Projekt als assoziierter Partner, um einen entstehenden Marktmechanismus und den Bedarf der beteiligten Akteure von Anfang an mitzuverfolgen und die Produktstrategie der Intelligent Grid Platform (IGP) frühzeitig darauf auszurichten.

Dieser Beitrag ordnet ein, welches Problem DynaNet adressiert, wie das Prinzip lokaler Netzentgelte funktioniert und wie sich der Ansatz von anderen Wegen des Engpassmanagements unterscheidet.

Warum direkte Steuerung für Verteilnetzbetreiber nicht die einzige Antwort ist

Mit dem Zubau von Photovoltaik, Wärmepumpen und Elektromobilität geraten Niederspannungsnetze zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Ein etabliertes Instrument, um Engpässe zu beherrschen, ist die netzorientierte Steuerung nach §14a EnWG – also der gezielte Eingriff des Netzbetreibers in steuerbare Verbrauchseinrichtungen, wenn eine Netzüberlastung droht.

Direkte Steuerung ist jedoch nicht in jeder Situation der bevorzugte Weg. Aus Sicht vieler Verteilnetzbetreiber hat sie einen Nachteil: Wird regelmäßig eingegriffen, kann daraus die Pflicht zum Netzausbau entstehen. Deshalb wächst das Interesse an präventiven, marktbasierten Ansätzen, die netzfreundliches Verhalten anreizen, statt es anzuordnen.

Für diese Ansätze schafft §14c EnWG den regulatorischen Rahmen: Er eröffnet Verteilnetzbetreibern die Möglichkeit, Flexibilität marktbasiert zu beschaffen, um Engpässe präventiv zu vermeiden. Genau hier setzt DynaNet an.

Das Forschungsprojekt DynaNet: Engpassmanagement über dynamische Netzentgelte

DynaNet ist ein Forschungsprojekt, das marktbasiertes, präventives Engpassmanagement in Niederspannungsnetzen über lokale, dynamische Netzentgelte erprobt. Die Grundidee: Statt in einzelne Anlagen einzugreifen, erhebt der Netzbetreiber lokale Netznutzungsentgelte, die die lokale Netzauslastung widerspiegeln.

Ist ein Netzbereich stark ausgelastet, steigen die lokalen Netzentgelte; ist Kapazität frei, sinken sie. Diese lokalen Netznutzungsentgelte müssen allen Lieferanten diskriminierungsfrei zur Verfügung stehen.

Die Lieferanten haben dann die Aufgabe, diese Netznutzungsentgelte in ihre Tarife einzubetten und die Steuerungswirkung so im Idealfall an die Endverbraucher weiterzureichen. Dabei können die Tarife statisch oder dynamisch sein – dynamische Tarife orientieren sich in der Regel am Börsenstrompreis und enthalten die lokalen Netznutzungsentgelte zusätzlich.

Das so beim Lieferanten entstehende Preissignal soll Verbrauch und Einspeisung indirekt so lenken, dass Lasten sich dorthin verschieben, wo im Netz gerade Spielraum besteht – ohne dass der Netzbetreiber direkt steuern muss. Das Projekt ist langfristig angelegt und läuft über mehrere Jahre. Die Stadtwerke Saarlouis sind Teil des Projekts.

envelios Rolle in DynaNet: Noch näher am entstehenden Markt, um die IGP vorzubereiten

envelio ist an DynaNet als assoziierter Partner beteiligt. Der Nutzen dieser Beteiligung ist strategischer Natur. Für envelio ist DynaNet ein direkter Zugang zu einem potenziell entstehenden Marktmechanismus und zum tatsächlichen Bedarf der beteiligten Akteure. Diese Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung der envelio IGP ein – insbesondere in die Produktstrategie rund um Netzprognosen, die §14c-EnWG-taugliche Prozesse künftig unterstützen sollen.

envelio bleibt damit bewusst nah an der Frage, wie marktbasiertes Engpassmanagement in der Praxis Gestalt annimmt, während sich die konkreten Ansätze weiter ausdifferenzieren.

Drei Wege zum präventiven Engpassmanagement nach §14c EnWG

DynaNet steht für einen von mehreren Ansätzen, mit denen §14c EnWG in der Praxis umgesetzt werden kann. Während lokale Netzentgelte über ein indirektes Signal wirken, setzen andere Projekte auf eine regionale Flexibilitätsplattform oder auf netzseitig vorgegebene Leistungskorridore, sogenannte Flexbänder. Allen Ansätzen gemeinsam ist das Ziel, Engpässe präventiv und marktbasiert zu vermeiden – der Weg dorthin unterscheidet sich jedoch.

Dass envelio mehrere dieser Ansätze verfolgt, ist kein Zufall: Das regulatorische und marktliche Umfeld für §14c EnWG entwickelt sich derzeit noch. Mehr als 100 Netzbetreiber setzen die IGP bereits im produktiven Betrieb ein. Die Beteiligung an Forschungsprojekten wie DynaNet hilft envelio, die Plattform frühzeitig auf die kommenden Anforderungen aus §14c EnWG vorzubereiten.

Mehr zum Thema §14c EnWG und Engpassmanagement

Wer tiefer einsteigen möchte, findet hier eine Einordnung zu §14c EnWG sowie zur bereits geltenden netzorientierten Steuerung nach §14a EnWG. Wer zu §14c EnWG und marktbasiertem Engpassmanagement auf dem Laufenden bleiben möchte, findet in den envelio Insights laufend neue Analysen. Diese und weitere §14c-Themen vertieft envelio außerdem beim envelio User Event.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das DynaNet-Projekt?

DynaNet ist ein Forschungsprojekt, das marktbasiertes, präventives Engpassmanagement in Niederspannungsnetzen über lokale, dynamische Netzentgelte erprobt. Das Preissignal orientiert sich an der lokalen Netzauslastung und soll Verbrauch und Einspeisung netzfreundlich lenken, ohne dass der Netzbetreiber direkt im Rahmen des §14a EnWG hart steuernd eingreifen muss.

Welche Rolle übernimmt envelio in DynaNet?

envelio ist assoziierter Partner ohne Projektförderung, Berichtspflicht oder Entwicklungsaufgabe. Der Nutzen der Beteiligung ist strategisch: envelio verfolgt Marktmechanismus und Nutzerbedarf aus erster Hand und richtet die Produktstrategie der IGP – insbesondere zu Netzprognosen für §14c EnWG – frühzeitig daran aus.

Wie unterscheidet sich der Preis-Ansatz von der Steuerung nach §14a EnWG?

Bei der netzorientierten Steuerung nach §14a EnWG greift der Netzbetreiber direkt in steuerbare Verbrauchseinrichtungen ein. Der DynaNet-Ansatz wirkt indirekt: Ein lokales Preissignal reizt netzfreundliches Verhalten an, statt es anzuordnen. Ziel ist, Engpässe präventiv zu vermeiden und häufige direkte Eingriffe zu reduzieren.

Gibt es bereits Ergebnisse aus DynaNet?

DynaNet ist ein laufendes, langfristig angelegtes Forschungsprojekt in einer frühen Phase. Belastbare Projektergebnisse liegen noch nicht vor; im Vordergrund steht derzeit das gemeinsame Verständnis von Marktmechanismus und Nutzerbedarf.