Glossar für Verteilnetzbetreiber
Die Messlokation (MeLo) bezeichnet den Ort der physikalischen Energiemessung im Netz, also die Stelle, an der ein Zähler oder ein intelligentes Messsystem installiert ist. Sie ist die technische Grundlage für die Erfassung von Entnahme- und Einspeisemengen und wird über eine eindeutige, 33-stellige Messlokations-Identifikationsnummer (MeLo-ID) identifiziert, die im deutschen Energiemarkt immer mit „DE“ beginnt.
Typische Beispiele für Messlokationen sind:
- ein Haushaltsstromzähler
- ein separater Zähler für eine Wärmepumpe
- der Einspeisezähler einer PV-Anlage
- ein Zähler für Ladeinfrastruktur oder für Gewerbeanlagen
Technische Hintergründe
Wie die MeLo-ID aufgebaut ist
Die Messlokations-Identifikationsnummer entspricht der Zählpunktbezeichnung und ist 33-stellig. Sie beginnt im deutschen Energiemarkt immer mit dem Länderkennzeichen „DE“, gefolgt von 31 weiteren Zeichen. Geregelt ist die Bildungsvorschrift in der Anwendungsregel VDE-AR-N 4400, dem sogenannten Metering Code.
Anders als die MaLo-ID und die NeLo-ID ist die MeLo-ID keine BDEW-Codenummer und wird nicht über die Codevergabestellen ausgegeben.
Warum Messlokation, Zähler und Zählernummer nicht dasselbe sind
Diese drei Begriffe werden in der Praxis häufig verwechselt, bezeichnen aber unterschiedliche Objekte. Die Messlokation beschreibt den Ort der Messung im Netz und bleibt dauerhaft bestehen. Der Zähler ist das Gerät, das an dieser Messlokation installiert ist, und wird spätestens nach Ablauf der Eichfrist ausgetauscht. Die Zählernummer nach DIN 43863-5 identifiziert dieses Gerät: Sie ist 14-stellig, alphanumerisch, in vier Blöcke gegliedert und steht auf dem Zählerschild – und sie ändert sich beim Gerätetausch.
Für Verteilnetzbetreiber ist diese Trennung entscheidend: Nur die Messlokations-Identifikationsnummer erlaubt es, Zeitreihen über Jahre und über mehrere Gerätewechsel hinweg konsistent einem Punkt im Netz zuzuordnen.
Wie die Messlokation mit der Marktlokation zusammenhängt
Die Messlokation liefert die Messwerte, die einer Marktlokation zugeordnet werden. Dabei treten drei Konstellationen auf:
- 1:1-Beziehung (Standardfall): Eine Marktlokation hat genau eine Messlokation, zum Beispiel beim klassischen Haushaltszähler.
- 1:n-Beziehung: Eine Marktlokation hat mehrere Messlokationen, zum Beispiel Haushaltszähler plus separater Wärmepumpenzähler.
- n:1-Beziehung (seltener): Mehrere Marktlokationen werden über eine Messlokation erfasst, zum Beispiel über einen Summenzähler.
Welche Rolle die Messlokation im Messstellenbetrieb spielt
Die Messlokation ist der Bezugspunkt für den Messstellenbetrieb, für Ablesung und Datenübertragung, für die Bildung von Zeitreihen und Lastgängen sowie für Abrechnung und Bilanzierung. Mit der Einführung intelligenter Messsysteme gewinnt sie weiter an Bedeutung: Hochaufgelöste Messdaten im 15-Minuten-Raster werden verfügbar, und die bidirektionale Messung von Entnahme und Einspeisung wird zum Standard.
Warum Messlokationen für digitale Netzmodelle entscheidend sind
In digitalen Netzmodellen sind Messlokationen die Datengrundlage für die Plausibilisierung von Lastflüssen, für die Netzzustandsschätzung, für die Kalibrierung von Netzmodellen und für die Validierung von Simulationsergebnissen. Qualität und Verfügbarkeit der Messdaten bestimmen damit unmittelbar, wie aussagekräftig eine Netzanalyse ist.
Relevanz für Verteilnetzbetreiber
Grundlage für eine belastbare Netzsicht
Messlokationen liefern Verteilnetzbetreibern die Datenbasis für Lastverläufe, Einspeiseprofile und Netzzustände. Ohne valide Messdaten lässt sich die tatsächliche Auslastung eines Netzes nicht fundiert bewerten – Netzreserven bleiben dann entweder ungenutzt oder werden überschätzt.
Warum die Zahl der Messlokationen mit der Energiewende steigt
Mit dem Ausbau von PV-Anlagen, Wärmepumpen und Elektromobilität steigen Anzahl und Vielfalt der Messlokationen im Verteilnetz deutlich. Gleichzeitig wächst die Notwendigkeit, Lasten und Einspeisungen zeitlich und räumlich granular zu erfassen, weil Engpässe zunehmend in der Niederspannung entstehen.
Voraussetzung für automatisierte Prozesse
Messlokationen sind ein zentraler Input für Anwendungen, mit denen Verteilnetzbetreiber ihre Prozesse automatisieren:
- Aufbau eines Niederspannungsleitsystems mit Online Monitoring und Netzzustandsschätzung
- automatisierte Netzverträglichkeitsprüfung für die Bewertung neuer Anschlüsse
- Netzstudien und Szenarioanalysen für die langfristige Planung
Nur mit qualitativ hochwertigen Messdaten lassen sich diese Prozesse zuverlässig validieren.
Herausforderung Datenqualität
In der Praxis bestehen bei Messlokationen typische Schwachstellen: unvollständige oder veraltete Messdaten, eine inkonsistente Zuordnung zu Markt- und Netzlokation sowie fehlende Synchronisation zwischen den beteiligten Systemen. Die korrekte Pflege und Integration von Messlokationen ist deshalb ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Digitalisierung von Verteilnetzen.
Häufige Fragen zur Messlokation
Was ist der Unterschied zwischen Messlokation und Zählernummer?
Die Messlokation ist der Ort der Messung im Netz und bleibt dauerhaft bestehen; sie wird über die 33-stellige MeLo-ID identifiziert. Die Zählernummer nach DIN 43863-5 identifiziert dagegen das installierte Messgerät, ist 14-stellig und ändert sich, sobald der Zähler getauscht wird.
Wie viele Stellen hat eine MeLo-ID?
Die MeLo-ID ist 33-stellig und beginnt im deutschen Energiemarkt immer mit „DE“, gefolgt von 31 weiteren Zeichen.
Was ist der Unterschied zwischen Messlokation und Marktlokation?
Die Messlokation ist der physische Ort der Messung, die Marktlokation die energiewirtschaftliche Einheit für Bilanzierung und Marktkommunikation. Die Messlokation liefert die Werte, die der Marktlokation zugeordnet werden.
Was passiert mit der MeLo-ID beim Zählertausch?
Die MeLo-ID bleibt unverändert. Ausgetauscht wird nur das Gerät – und damit die Zählernummer. Genau deshalb lassen sich Zeitreihen über Gerätewechsel hinweg konsistent auswerten.
Wir erklären Ihnen die wichtigsten Fachbegriffe der Energiebranche.
Die Energiebranche ist generell erklärungsbedürftig. Von ADMS bis Zielnetzplanung - schon bald finden Sie hier alles auf einen Blick.
ADMS (Advanced Distribution Management System)
Ein Advanced Distribution Management System (ADMS) ist eine Softwareplattform, die verschiedene Netzmanagementsysteme wie DMS (Distribution Management System), SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) und OMS (Outage Management System) kombiniert.
Digitaler Zwilling
Ein digitaler Zwilling ist eine virtuelle Nachbildung eines physischen Systems, das Echtzeitdaten und Simulationen nutzt, um Betriebsabläufe zu überwachen, zu analysieren oder zu optimieren. In der Energiebranche wird der digitale Zwilling unter anderem für die Modellierung von Stromnetzen und deren Betriebszuständen verwendet.
DMS (Distribution Management System)
Ein Distribution Management System (DMS) ist eine spezialisierte Softwarelösung zur Überwachung, Steuerung und Optimierung von Verteilnetzen in Echtzeit. Es wird von Verteilnetzbetreibern (DSOs) eingesetzt, um die Netzstabilität zu gewährleisten, Betriebsprozesse zu automatisieren.
LV SCADA - Niederspannungsnetze-Leitsystem
LV (Low Voltage) SCADA ist eine spezialisierte Version eines SCADA-Systems, die für die Überwachung und Steuerung von Niederspannungsnetzen (LV-Netzen) eingesetzt wird. Es ermöglicht Verteilnetzbetreibern eine präzisere Kontrolle und Analyse der Niederspannungsebene.
OMS (Outage Management System)
Ein Outage Management System (OMS) ist eine Softwarelösung, die Netzbetreiber bei der Erkennung, Analyse und Behebung von Stromausfällen unterstützt. Es verbessert die Effizienz der Störungsbearbeitung und trägt zur schnellen Wiederherstellung der Stromversorgung bei.
Redispatch 2.0: Neue Anforderungen und neue Chancen für Verteilnetzbetreiber
Redispatch 2.0 steht für die neuen Regelungen zum Umgang mit Engpässen im Stromnetz.
SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition)
Ein SCADA-System (Supervisory Control and Data Acquisition) ist eine Software- und Hardware-Lösung zur zentralen Überwachung und Steuerung technischer Prozesse in Energie-, Wasser-, Verkehrs- und Industriesystemen. Es ermöglicht die Erfassung, Verarbeitung und Visualisierung von Betriebsdaten in Echtzeit.
Thought Leadership
Co-Founder und CEO
Dr. Simon Koopmann
Sei es die erfolgreiche Integration von Wärmepumpen, die Automatisierung von Netzanschlussverfahren oder die Digitalisierung der Netzinfrastruktur. In Interviews mit Journalisten verschiedener Fach- und Wirtschaftsmedien, Branchen-Podcasts und Gastbeiträgen erläutert Dr. Koopmann, weshalb die Digitalisierung unserer Verteilnetze elementar für das Gelingen der Energiewende ist und wie diese erfolgreich realisiert werden kann.
Co-Founder und Vice President Product
Dr. Philipp Erlinghagen
Philipp ist leidenschaftlicher Produktleiter, Technologiemanager und Mitgründer von envelio. Seine Expertise liegt in den Bereichen Energieverteilung und Smart Grids sowie Produkt- und IT-Management. Er hat einen Doktortitel (Dr.-Ing.) in Elektrotechnik von der RWTH Aachen.
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