Glossar für Verteilnetzbetreiber
Die Marktlokation ist die energiewirtschaftliche Einheit, an der Energie entnommen oder eingespeist wird. Sie bildet die Grundlage für Bilanzierung, Marktkommunikation und die Zuordnung von Energiemengen und wird über eine 11-stellige MaLo-ID identifiziert.
Typische Beispiele für Marktlokationen sind:
- ein Einfamilienhaus
- eine Wohnung
- ein Gewerbebetrieb
- eine Erzeugungsanlage, zum Beispiel eine PV-Anlage
Technische Hintergründe
Wie die MaLo-ID aufgebaut ist und wer sie vergibt
Die Marktlokations-Identifikationsnummer ist rein numerisch und 11-stellig. Die erste Stelle kennzeichnet die Vergabestelle, die Stellen 2 bis 10 bilden die laufende Nummer, die elfte Stelle ist eine Prüfziffer. Die MaLo-ID gilt spartenübergreifend: Sie wird für alle Marktlokationen im Strom- und Gasbereich vergeben – sowohl für Einspeisung als auch für Entnahme – sowie für alle Tranchen im Strombereich. Aus der ersten Ziffer lässt sich dabei kein Rückschluss auf die Energieart ziehen.
Verantwortlich für die Beantragung und die Zuweisung der MaLo-ID ist der Netzbetreiber. Ausgegeben wird sie von den Codevergabestellen: im Strombereich von der Energie Codes und Services GmbH, im Gasbereich von der DVGW Services und Consult GmbH. Eine Veränderung der MaLo-ID ist unzulässig, solange die Marktlokation existiert – auch ein Netzbetreiberwechsel lässt sie unverändert. Eingeführt wurde die MaLo-ID im deutschen Energiemarkt zum 1. Februar 2018.
Quelle: BDEW-Anwendungshilfe „Identifikatoren in der Marktkommunikation“, Version 1.2 vom 07.02.2025.
Warum Marktsicht und Messsicht voneinander getrennt werden
Die Marktlokation beschreibt die bilanzierungsrelevante Einheit im Energiemarkt. Sie legt fest, an welchem Ort Energie entnommen oder eingespeist wird und welchem Bilanzkreis die Energiemengen zugeordnet werden. Die tatsächliche Messung erfolgt dagegen über eine oder mehrere Messlokationen (MeLo).
Eine Marktlokation kann genau eine Messlokation haben – das ist der Standardfall – oder mehrere, zum Beispiel bei einem separaten Zähler für eine Wärmepumpe. Diese Trennung war das Ziel der Standardisierung im Rahmen der Marktkommunikation 2020 (MaKo 2020): Die zuvor oft uneindeutige „Zählpunkt“-Logik sollte entkoppelt und die Marktsicht klar von der Messsicht unterschieden werden.
Wie Marktlokation, Messlokation und Netzlokation zusammenhängen
Die Marktlokation bildet die Brücke zwischen den Marktprozessen und dem physischen Netzanschluss. Dabei gelten zwei Beziehungen:
- Marktlokation zu Messlokation: Einer Marktlokation sind eine oder mehrere Messlokationen zugeordnet, die die Messwerte liefern.
- Marktlokation zum Netz: Technisch ist die Marktlokation über eine Netzlokation (NeLo) mit dem Stromnetz verbunden.
Worin sich Marktlokation und Netzverknüpfungspunkt unterscheiden
Der Netzverknüpfungspunkt (NVP) ist der planerisch-technische Begriff: Er bezeichnet den Punkt, an dem eine Anlage elektrisch an das Netz angeschlossen wird und an dem die Netzverträglichkeit bewertet wird. Die Marktlokation steht dagegen für die energiewirtschaftliche Sicht: Sie beschreibt, wo Energie bilanziell entnommen oder eingespeist wird.
Kurz gefasst: Der Netzverknüpfungspunkt ist technisch definiert, die Marktlokation marktlich und bilanziell. Die systemische Abbildung des Netzverknüpfungspunkts in der Datenwelt der Marktkommunikation ist wiederum die Netzlokation.
Relevanz für Verteilnetzbetreiber
Marktkommunikation und Abwicklung
Für Verteilnetzbetreiber ist die Marktlokation die Grundlage der täglichen Marktkommunikation. Sie ist Bezugsobjekt für Lieferantenwechselprozesse, für die Bilanzierung von Energiemengen und für die Zuordnung zu Bilanzkreisen. Ohne eine korrekte MaLo-Zuordnung laufen diese Marktprozesse nicht zuverlässig.
Netzanschluss- und Anschlussprozesse
Bei jeder neuen Anschlussanfrage – etwa für eine PV-Anlage, eine Wärmepumpe oder Ladeinfrastruktur – wird entweder eine neue Marktlokation angelegt oder eine bestehende angepasst. Die Marktlokation ist damit eng mit der automatisierten Netzverträglichkeitsprüfung verknüpft, über die Verteilnetzbetreiber Anschlussanfragen im Massenprozess bewerten.
Datenqualität und Systemintegration
Die konsistente Verknüpfung von Marktlokation, Messlokation und Netzlokation entscheidet darüber, wie belastbar das Netzmodell eines Verteilnetzbetreibers ist. Fehlende oder falsche Zuordnungen wirken sich direkt auf Netzberechnungen und automatisierte Prozesse aus. Die envelio Intelligent Grid Platform führt diese Objekte in einem rechenfähigen Netzmodell zusammen und prüft sie beim Import automatisiert auf Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz – ein Ansatz, der auch im Use Case Datenqualität steigern beschrieben ist.
Warum die Zahl der Marktlokationen mit der Energiewende steigt
Mit dem Zubau dezentraler Erzeugungsanlagen und steuerbarer Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Ladepunkten nehmen Anzahl und Komplexität der Marktlokationen im Verteilnetz deutlich zu. Eine präzise Abbildung dieser Strukturen ist die Voraussetzung für eine effiziente Netzplanung, für transparente Marktprozesse und für automatisierte Anschlussbewertungen.
Häufige Fragen zur Marktlokation
Was ist der Unterschied zwischen Marktlokation und Messlokation?
Die Marktlokation ist die energiewirtschaftliche Einheit: Sie beschreibt, wo Energie bilanziell entnommen oder eingespeist wird. Die Messlokation ist der physische Ort der Messung, also die Stelle, an der ein Zähler installiert ist. Eine Marktlokation kann eine oder mehrere Messlokationen umfassen.
Wie viele Stellen hat eine MaLo-ID?
Die Marktlokations-Identifikationsnummer ist rein numerisch und 11-stellig. Die letzte Stelle ist eine Prüfziffer.
Kann eine Marktlokation mehrere Messlokationen haben?
Ja. Der Standardfall ist eine 1:1-Beziehung, etwa beim klassischen Haushaltszähler. Häufig kommt aber auch eine 1:n-Beziehung vor, zum Beispiel wenn neben dem Haushaltszähler ein separater Zähler für eine Wärmepumpe installiert ist.
Ändert sich die MaLo-ID bei einem Netzbetreiberwechsel?
Nein. Die MaLo-ID bleibt unverändert bestehen, solange die Marktlokation existiert – auch dann, wenn der Netzbetreiber wechselt.
Trivia
Die Prüfziffer der MaLo-ID wird nach dem sogenannten Lok- und Waggon-Kennzeichnungsverfahren berechnet – demselben Verfahren, mit dem in Europa Schienenfahrzeuge nummeriert werden. Bei der NeLo-ID und den Ressourcen-Identifikationsnummern kommt dagegen ein ASCII-basiertes Verfahren zum Einsatz, weil diese Nummern auch Buchstaben enthalten.
Quelle: BDEW-Anwendungshilfe „Identifikatoren in der Marktkommunikation“, Version 1.2, Kapitel 8.
Wir erklären Ihnen die wichtigsten Fachbegriffe der Energiebranche.
Die Energiebranche ist generell erklärungsbedürftig. Von ADMS bis Zielnetzplanung - schon bald finden Sie hier alles auf einen Blick.
ADMS (Advanced Distribution Management System)
Ein Advanced Distribution Management System (ADMS) ist eine Softwareplattform, die verschiedene Netzmanagementsysteme wie DMS (Distribution Management System), SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) und OMS (Outage Management System) kombiniert.
Digitaler Zwilling
Ein digitaler Zwilling ist eine virtuelle Nachbildung eines physischen Systems, das Echtzeitdaten und Simulationen nutzt, um Betriebsabläufe zu überwachen, zu analysieren oder zu optimieren. In der Energiebranche wird der digitale Zwilling unter anderem für die Modellierung von Stromnetzen und deren Betriebszuständen verwendet.
DMS (Distribution Management System)
Ein Distribution Management System (DMS) ist eine spezialisierte Softwarelösung zur Überwachung, Steuerung und Optimierung von Verteilnetzen in Echtzeit. Es wird von Verteilnetzbetreibern (DSOs) eingesetzt, um die Netzstabilität zu gewährleisten, Betriebsprozesse zu automatisieren.
LV SCADA - Niederspannungsnetze-Leitsystem
LV (Low Voltage) SCADA ist eine spezialisierte Version eines SCADA-Systems, die für die Überwachung und Steuerung von Niederspannungsnetzen (LV-Netzen) eingesetzt wird. Es ermöglicht Verteilnetzbetreibern eine präzisere Kontrolle und Analyse der Niederspannungsebene.
OMS (Outage Management System)
Ein Outage Management System (OMS) ist eine Softwarelösung, die Netzbetreiber bei der Erkennung, Analyse und Behebung von Stromausfällen unterstützt. Es verbessert die Effizienz der Störungsbearbeitung und trägt zur schnellen Wiederherstellung der Stromversorgung bei.
Redispatch 2.0: Neue Anforderungen und neue Chancen für Verteilnetzbetreiber
Redispatch 2.0 steht für die neuen Regelungen zum Umgang mit Engpässen im Stromnetz.
SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition)
Ein SCADA-System (Supervisory Control and Data Acquisition) ist eine Software- und Hardware-Lösung zur zentralen Überwachung und Steuerung technischer Prozesse in Energie-, Wasser-, Verkehrs- und Industriesystemen. Es ermöglicht die Erfassung, Verarbeitung und Visualisierung von Betriebsdaten in Echtzeit.
Thought Leadership
Co-Founder und CEO
Dr. Simon Koopmann
Sei es die erfolgreiche Integration von Wärmepumpen, die Automatisierung von Netzanschlussverfahren oder die Digitalisierung der Netzinfrastruktur. In Interviews mit Journalisten verschiedener Fach- und Wirtschaftsmedien, Branchen-Podcasts und Gastbeiträgen erläutert Dr. Koopmann, weshalb die Digitalisierung unserer Verteilnetze elementar für das Gelingen der Energiewende ist und wie diese erfolgreich realisiert werden kann.
Co-Founder und Vice President Product
Dr. Philipp Erlinghagen
Philipp ist leidenschaftlicher Produktleiter, Technologiemanager und Mitgründer von envelio. Seine Expertise liegt in den Bereichen Energieverteilung und Smart Grids sowie Produkt- und IT-Management. Er hat einen Doktortitel (Dr.-Ing.) in Elektrotechnik von der RWTH Aachen.
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