Glossar für Verteilnetzbetreiber
Die Netzlokation (NeLo) ist ein standardisiertes Datenobjekt der deutschen Marktkommunikation. Sie bildet einen netztechnischen Verknüpfungspunkt ab, also den Ort im Stromnetz, an dem eine oder mehrere Marktlokationen angeschlossen sind, und wird über eine eindeutige, 11-stellige Netzlokations-Identifikationsnummer (NeLo-ID) identifiziert. Damit stellt die Netzlokation die topologische Verbindung zwischen Kundenanlage und Netzinfrastruktur in der Datenwelt her.
Typische Beispiele für Netzlokationen sind:
- der Hausanschlusskasten (HAK) im Niederspannungsnetz
- ein Niederspannungsabgang einer Ortsnetzstation, an dem eine Kundenanlage direkt angeschlossen ist
- ein Mittelspannungs-Schaltfeld oder eine Übergabestation bei größeren Kundenanlagen
Technische Hintergründe
Regulatorischer Hintergrund und Einführung
Die Netzlokation wurde als eigener Codenummerntyp gemäß der Festlegung BK6-22-128 der Bundesnetzagentur im deutschen Energiemarkt eingeführt. Die Regelungen betreffen ausschließlich die Sparte Strom. Die Ausgabe der NeLo-IDs durch die Energie Codes und Services GmbH läuft seit dem 15. Februar 2023.
Entscheidend für das Verständnis ist eine Einschränkung aus der Bildungsvorschrift: Eine NeLo-ID wird nur dann vergeben, wenn die betreffende Netzlokation für die Marktkommunikation relevant ist. Es existiert also nicht für jeden physischen Anschlusspunkt im Netz automatisch eine Netzlokation.
Von der Netzlokation zu unterscheiden ist der Netzbereich (NeBe). Dieses Objekt wurde mit den Festlegungen BK6-22-300 und BK8-22/010-A eingeführt, die zugehörigen NeBe-IDs werden seit dem 20. Februar 2025 ausgegeben. Eine NeBe-ID wird nur vergeben, sofern der Netzbereich für die Ausweisung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen relevant ist – der Netzbereich ist damit das Lokationsobjekt im Kontext von § 14a EnWG, nicht die Netzlokation.
Quelle: BDEW-Anwendungshilfe „Identifikatoren in der Marktkommunikation“, Version 1.2 vom 07.02.2025.
Wie die NeLo-ID aufgebaut ist
Die Netzlokations-Identifikationsnummer ist alphanumerisch und 11-stellig. Die erste Stelle ist immer der Codetyp „E“ für Netzlokation, die Stellen 2 bis 10 sind alphanumerisch belegt (Ziffern 0 bis 9 und Großbuchstaben A bis Z), die elfte Stelle ist eine numerische Prüfziffer. Verantwortlich für die Zuweisung der NeLo-ID zu einer Netzlokation ist der Netzbetreiber. Eine Veränderung der NeLo-ID ist unzulässig, solange die Netzlokation existiert – auch bei einem Netzbetreiberwechsel bleibt sie bestehen.
Wie die Netzlokation mit Markt- und Messlokation zusammenhängt
Die Netzlokation verbindet Markt- und Messwelt mit der physikalischen Netztopologie. Eine Netzlokation kann eine oder mehrere Marktlokationen versorgen – etwa ein Mehrfamilienhaus mit mehreren Wohnungen. Die Messlokationen erfassen die Energieflüsse an oder hinter der Netzlokation. Damit ist die Netzlokation der gemeinsame Bezugspunkt für alle angeschlossenen Markt- und Messobjekte.
Worin sich Netzlokation und Netzverknüpfungspunkt unterscheiden
Beide Begriffe beschreiben häufig denselben physischen Punkt im Netz, stammen aber aus unterschiedlichen Welten:
- Der Netzverknüpfungspunkt (NVP) ist der planerisch-technische Begriff. Er bezeichnet den Punkt, an dem eine Anlage elektrisch an das Netz angeschlossen wird und an dem die Netzverträglichkeit bewertet wird. Er ist regulatorisch verankert, unter anderem über die Pflicht, den nächstgelegenen geeigneten Verknüpfungspunkt anzubieten.
- Die Netzlokation (NeLo) ist das standardisierte Datenobjekt der Marktkommunikation. Sie bildet einen solchen Punkt mit eigener Identifikationsnummer ab, damit Marktlokationen, Messlokationen und weitere Objekte eindeutig einem Ort im Netz zugeordnet werden können.
Als Merksatz: Der Netzverknüpfungspunkt ist der Planungsbegriff, die Netzlokation ist das zugehörige Datenobjekt in der Marktkommunikation. Nicht zu jedem Netzverknüpfungspunkt existiert eine Netzlokation, weil NeLo-IDs nur dort vergeben werden, wo die Marktkommunikation sie erfordert.
Welche Rolle die Netzlokation in digitalen Netzmodellen spielt
Für digitale Netzmodelle ist die Netzlokation ein zentraler Ankerpunkt: Sie ermöglicht die Zuordnung von Lasten und Einspeisungen zu konkreten Punkten im Netz, verknüpft Stammdaten der Betriebsmittel mit Mess- und Marktdaten und schafft damit die Grundlage für topologisch korrekte Lastflussberechnungen. In der envelio Intelligent Grid Platform wird die Netzlokation genutzt, um Daten aus GIS und Messsystemen zusammenzuführen, Netzmodelle konsistent aufzubauen und darauf automatisierte Analysen auszuführen.
Relevanz für Verteilnetzbetreiber
Grundlage für Netztransparenz
Erst wenn Marktlokationen und Messdaten korrekt einer Netzlokation zugeordnet sind, lassen sich Lasten räumlich richtig im Netz verorten, Engpässe identifizieren und Netzsituationen realistisch abbilden. Die Netzlokation überführt damit die technische Realität des Netzes in digitale Prozesse.
Voraussetzung für Netzberechnung und Simulation
Für Netzstudien, für die Netzplanung und für die Netzzustandsschätzung im Online Monitoring ist die korrekte Zuordnung zur Netzlokation entscheidend. Fehlende oder falsche Zuordnungen führen unmittelbar zu falschen Simulationsergebnissen – und damit zu Fehlentscheidungen bei Investitionen.
Welche Rolle die Netzlokation bei Anschlussprozessen spielt
Bei der Bewertung neuer Anschlussanfragen erfüllen Netzlokation und Messlokation unterschiedliche Funktionen. Die Netzlokation liefert den topologischen Bezugspunkt: Sie legt fest, an welcher Stelle im Netz die Anlage angeschlossen wird und welche Netzabschnitte dadurch belastet werden. Die Messlokation liefert dagegen die Messwerte, mit denen die Belastungssituation an dieser Stelle bewertet wird. Beide Objekte sind damit eng mit der automatisierten Netzverträglichkeitsprüfung verknüpft.
Datenqualität als kritischer Faktor
In der Praxis ist die Netzlokation häufig die Schwachstelle in der Datenkette – etwa durch eine fehlende Zuordnung von Markt- und Messlokation zur richtigen Netzstruktur, durch unvollständige GIS-Daten oder durch inkonsistente Systemlandschaften. Eine saubere Pflege der Netzlokationen ist deshalb Voraussetzung für belastbare Netzmodelle, automatisierte Prozesse und eine effiziente Netzplanung. Wie sich Datenqualität systematisch verbessern lässt, beschreibt der Use Case Datenqualität steigern.
Häufige Fragen zur Netzlokation
Was ist der Unterschied zwischen Netzlokation und Netzverknüpfungspunkt?
Der Netzverknüpfungspunkt ist der planerisch-technische Begriff für den Punkt, an dem eine Anlage an das Netz angeschlossen und die Netzverträglichkeit bewertet wird. Die Netzlokation ist das standardisierte Datenobjekt der Marktkommunikation, das einen solchen Punkt mit eigener Identifikationsnummer abbildet. Beide beschreiben oft denselben physischen Ort, sind aber nicht deckungsgleich.
Hat jeder Netzanschluss eine Netzlokation?
Nein. Eine NeLo-ID wird nur vergeben, wenn die Netzlokation für die Marktkommunikation relevant ist. Für viele physische Anschlusspunkte im Netz existiert daher kein eigenes Netzlokations-Objekt.
Was ist der Unterschied zwischen Netzlokation und Netzbereich?
Die Netzlokation bildet einen netztechnischen Verknüpfungspunkt ab und wurde mit der Festlegung BK6-22-128 eingeführt. Der Netzbereich ist ein eigenes Objekt aus den Festlegungen BK6-22-300 und BK8-22/010-A; seine Identifikationsnummer wird nur vergeben, wenn der Netzbereich für die Ausweisung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG relevant ist.
Wie viele Stellen hat eine NeLo-ID?
Die NeLo-ID ist alphanumerisch und 11-stellig. Sie beginnt immer mit dem Codetyp-Kennzeichen „E“ und endet mit einer numerischen Prüfziffer.
Wir erklären Ihnen die wichtigsten Fachbegriffe der Energiebranche.
Die Energiebranche ist generell erklärungsbedürftig. Von ADMS bis Zielnetzplanung - schon bald finden Sie hier alles auf einen Blick.
ADMS (Advanced Distribution Management System)
Ein Advanced Distribution Management System (ADMS) ist eine Softwareplattform, die verschiedene Netzmanagementsysteme wie DMS (Distribution Management System), SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) und OMS (Outage Management System) kombiniert.
Digitaler Zwilling
Ein digitaler Zwilling ist eine virtuelle Nachbildung eines physischen Systems, das Echtzeitdaten und Simulationen nutzt, um Betriebsabläufe zu überwachen, zu analysieren oder zu optimieren. In der Energiebranche wird der digitale Zwilling unter anderem für die Modellierung von Stromnetzen und deren Betriebszuständen verwendet.
DMS (Distribution Management System)
Ein Distribution Management System (DMS) ist eine spezialisierte Softwarelösung zur Überwachung, Steuerung und Optimierung von Verteilnetzen in Echtzeit. Es wird von Verteilnetzbetreibern (DSOs) eingesetzt, um die Netzstabilität zu gewährleisten, Betriebsprozesse zu automatisieren.
LV SCADA - Niederspannungsnetze-Leitsystem
LV (Low Voltage) SCADA ist eine spezialisierte Version eines SCADA-Systems, die für die Überwachung und Steuerung von Niederspannungsnetzen (LV-Netzen) eingesetzt wird. Es ermöglicht Verteilnetzbetreibern eine präzisere Kontrolle und Analyse der Niederspannungsebene.
OMS (Outage Management System)
Ein Outage Management System (OMS) ist eine Softwarelösung, die Netzbetreiber bei der Erkennung, Analyse und Behebung von Stromausfällen unterstützt. Es verbessert die Effizienz der Störungsbearbeitung und trägt zur schnellen Wiederherstellung der Stromversorgung bei.
Redispatch 2.0: Neue Anforderungen und neue Chancen für Verteilnetzbetreiber
Redispatch 2.0 steht für die neuen Regelungen zum Umgang mit Engpässen im Stromnetz.
SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition)
Ein SCADA-System (Supervisory Control and Data Acquisition) ist eine Software- und Hardware-Lösung zur zentralen Überwachung und Steuerung technischer Prozesse in Energie-, Wasser-, Verkehrs- und Industriesystemen. Es ermöglicht die Erfassung, Verarbeitung und Visualisierung von Betriebsdaten in Echtzeit.
Thought Leadership
Co-Founder und CEO
Dr. Simon Koopmann
Sei es die erfolgreiche Integration von Wärmepumpen, die Automatisierung von Netzanschlussverfahren oder die Digitalisierung der Netzinfrastruktur. In Interviews mit Journalisten verschiedener Fach- und Wirtschaftsmedien, Branchen-Podcasts und Gastbeiträgen erläutert Dr. Koopmann, weshalb die Digitalisierung unserer Verteilnetze elementar für das Gelingen der Energiewende ist und wie diese erfolgreich realisiert werden kann.
Co-Founder und Vice President Product
Dr. Philipp Erlinghagen
Philipp ist leidenschaftlicher Produktleiter, Technologiemanager und Mitgründer von envelio. Seine Expertise liegt in den Bereichen Energieverteilung und Smart Grids sowie Produkt- und IT-Management. Er hat einen Doktortitel (Dr.-Ing.) in Elektrotechnik von der RWTH Aachen.
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